Es gibt diesen Moment, in dem wir spüren: Da geht noch mehr. Mehr Sinn, mehr Passung, mehr Wirksamkeit. Und gleichzeitig kann genau dieser Moment verunsichern. Wo soll es hingehen? Was ist der „richtige“ nächste Schritt?
In solchen Phasen greifen viele zuerst zum Kopf: Listen mit Vor- und Nachteilen, Jobportale, Organigramme. All das kann hilfreich sein – doch oft fehlt ein klarer innerer Anker.
Genau hier kommen deine Stärken und Werte ins Spiel. Sie sind wie ein innerer Kompass, der dir hilft, gute Entscheidungen für deinen Weg zu treffen: nicht nur im Außen passend, sondern stimmig für dich.
Warum Stärken mehr sind als „Worin bist du gut?“
Wenn wir von Stärken sprechen, denken viele an Fähigkeiten wie „kommunikativ“, „analytisch“, „strukturiert“. Das ist ein Teil davon – aber Stärken sind mehr.
Stärken sind die Bereiche, in denen du:
- Energie bekommst, statt sie nur zu verlieren
- Leichtigkeit spürst, obwohl du dich anstrengst
- Wirkung erzeugst – bei dir und bei anderen
Stärken zeigen sich:
- in Momenten, in denen du aufblühst
- in Rückmeldungen, die du immer wieder bekommst
- in Aufgaben, bei denen die Zeit wie im Flug vergeht
Sie sind ein Hinweis darauf, wo dein Potenzial liegt – und in welche Richtung dein Weg „natürlich“ verläuft, wenn du dich nicht gegen dich selbst entscheidest.
Werte: Was dir wirklich wichtig ist
Werte sind die „innere Qualität“ deines Weges. Während Stärken beantworten „Was kann ich gut?“, beantworten Werte die Frage „Wie möchte ich leben und arbeiten?“
Vielleicht sind dir Dinge wichtig wie:
- Vertrauen – ehrlich, verlässlich, sicher
- Freude – Leichtigkeit, Humor, lebendige Zusammenarbeit
- Offenheit – Entwicklung, Austausch, Lernen
Wenn wir gegen unsere Werte arbeiten, wird es eng. Auf Dauer fühlen wir uns erschöpft, angepasst oder innerlich leer – selbst dann, wenn die Position nach außen „erfolgreich“ wirkt.
Wenn wir mit unseren Werten unterwegs sind, entsteht Kohärenz: Was du tust und wie du es tust, passt zu dir. Und genau das spüren auch andere.
Ein persönlicher Blick: Die Haltung einer Lernenden
In meinem eigenen Weg – gerade in Übergängen zu mehr Verantwortung – war eines besonders wichtig: die Haltung einer Lernenden.
Nicht alles war immer vertraut. Es gab Themen, in denen ich sicher war, und andere, in denen ich mich neu einarbeiten musste. Ich hätte mich dafür entscheiden können, nur in dem zu bleiben, was ich schon kannte.
Stattdessen habe ich mir immer wieder die Frage gestellt:
- Was kann ich hier lernen?
- Welche Stärke von mir hilft mir, den nächsten Schritt zu gehen?
Diese Lernhaltung hat mir geholfen, aus der Komfortzone herauszugehen. Sie hat mich daran erinnert, dass:
- ich nicht alles von Anfang an „perfekt“ können muss,
- Wachstum nicht linear verläuft, sondern in Wellen,
- es in Ordnung ist, sich neu zu sortieren und dazuzulernen.
Genau diese Perspektive gebe ich heute auch im Coaching weiter: Du musst nicht fertig sein, um loszugehen. Aber du darfst dir bewusst machen, was schon da ist.
Wie Stärken und Werte deinen Karriereweg leiten können
Wenn du vor einer Entscheidung stehst – neue Rolle, Jobwechsel, Führung oder Expert*innenweg –, können dir deine Stärken und Werte helfen, Orientierung zu finden.
1. Stärken als Signalgeber
Frage dich:
- Wann habe ich das Gefühl, „in meinem Element“ zu sein?
- Welche Tätigkeiten geben mir Energie?
- Wofür werde ich immer wieder um Rat gebeten?
Diese Antworten zeigen dir, wo du natürlich wirksam bist.
Wenn du eine Rolle betrachtest, frage dich:
- Gibt mir diese Aufgabe Raum, genau diese Stärken einzusetzen?
- Ist diese Rolle so gestaltet, dass ich zeigen kann, was mich ausmacht?
2. Werte als Filter
Frage dich:
- Was ist mir im Arbeitskontext wirklich wichtig? (z. B. Vertrauen, Entwicklung, Sinn, Autonomie)
- Wo in meinem jetzigen Umfeld ist das erfüllbar – und wo kollidiert es?
Wenn eine neue Rolle zwar auf dem Papier attraktiv ist, aber gegen deine Werte geht, wird sie kaum langfristig tragfähig sein.
Eine ehrliche Frage kann sein: